Inhalt

- Ältestes bekanntes Bauernhaus in Krefeld

Datum08.01.2018
Beratungsartöffentlich

Vorgesehener Beratungsweg

Kultur- und Denkmalausschuss, 23.01.2018
Beschluss


Der Kultur- und Denkmalausschuss nimmt den mündlichen Sachstandsbericht zur Kenntnis.

Abstimmungsergebnis

zur Kenntnis genommen

Wortbeitrag


Bauhistoriker Dr. Dautermann erläutert anhand der dieser Niederschrift angehängten Foto-, Plan- und Skizzenpräsentation die Geschichte des Niederdeutschen Hallenhauses in Vorderorbroich. Er sei der Bitte der UDB gerne gefolgt, dass Haus anzusehen. Von außen habe es auf ihn zunächst sehr unscheinbar gewirkt, rückwärtig sei aber zu erkennen, das Fachwerk existiert, alte Blockrahmenfenster erhalten sind. Das älteste am Gebäude sei aber nicht das Fachwerk auf der nördlichen Traufseite, sondern das Innere: mächtige Kopfbänder, Ständerwerk mit Verstrebungen und Kopfstreben, die sich an den Innenwänden noch heute deutlich sichtbar befinden. Kamin, Rauchfang und Räucherkammer seien erhalten, insgesamt wirke alles sehr archaisch. Während sein erster Tipp "erste Hälfte 17. Jahrhundert" gewesen sei, habe die Aufnahme und die dendrochronologische Untersuchung ergeben, dass das Fachwerkgerüst aus der Zeit um 1560 stammt und das Objekt somit das bislang älteste bekannte Hofgebäude Krefelds ist. In Oppum existiere noch eines aus den 1570er Jahren. Auch die Denkmalbehörde sei der Auffassung, dass die Gebäude von überregionaler Bedeutung sind. Trotz eines Umbaus im 18. Jahrhundert sei in Hüls vom ursprünglichen Ständerwerk sehr viel erhalten. Im 18. Jahrhundert seien an der Fachwerkseite abseitig zwei unterkellerte Opkammern eingerichtet worden. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert komplett in der Mitte geteilt, was noch heute in der Fassade sichtbar sei. Seither wurde das Gebäude auch rechtlich als zwei Häuser betrachtet. Das alte Hallenhaus sei in Stall-, Wirtschafts- und Wohnzonen unterteilt gewesen. Einen weiteren Bauantrag habe es in den 1950er Jahren gegeben. Die Schutzzone habe der LVR festgelegt [Protokollnotiz: s. Anlage S. 9] Der Hof sei in der Tranchotkarte deutlich zu erkennen und im Urkataster von 1826 verzeichnet. Nach bisherigen Archiv-Erkenntnissen könne man vom "Keggenhof" sprechen. Ein Grabplattenfund im Gebäude weise darauf hin, dass in einem Teil im 19. Jahrhundert eine Familie Wetter gelebt haben muss, im anderen Teil - aufgrund anderer Quelle - eine Familie Kaulertz. Der Kultur- und Denkmalausschuss bedankt sich mit Beifall für den ausführlichen Bericht.
Die Nachfrage der Vorsitzenden, Ratsfrau Müllers, zu den Möglichkeiten des Erhalts beantwortet Denkmalpflegerin Eifert: Das Gebäude sei in Privatbesitz, die UDB nur durch die Abbruchliste der Bauaufsicht darauf aufmerksam geworden. Die Familie habe das Haus in der Absicht gekauft, es herzurichten. Schnell traten Schwierigkeiten auf, wie z.B. beschädigtes Dach, danach habe der Besitzer versucht, das Grundstück auf Abbruch zu verkaufen. Ökonomisch sei der Eigentümer nicht in der Lage, das Haus wieder herzustellen und sucht daher einen Käufer. Dringend nötig wäre eine Sicherung. Interesse eines Freilichtmuseums an dem Haus werde von der UDB nicht gesehen, dennoch sollte man es versuchen. Dies bedeute allerdings auch, es aus dem Siedlungskontext zu nehmen. Ratsfrau Neukirchners Frage nach dem Unterschutzstellungsstatus und den Möglichkeiten, Fördermittel von dritter Seite zu erlangen, beantwortet Denkmalpflegerin Eifert: Der Denkmalwert ist fraglos gegeben, das LVR-Gutachten liegt vor, Fördermittelakquise müsse energisch betrieben werden. Auf die Frage von Ratsherrn Bovenkerk zur Tragfähigkeit der Holzkonstruktion verweist Dr. Dautermann an einen Statiker. Ratsherr Bovenkerk sieht Überlebenschancen für das Hofgebäude nur, sofern z.B. die Deutsche Denkmalstiftung oder Unternehmen als Sponsoren sich seiner annehmen. Kulturberater Rungelrath spricht sich für eine Translozierung aus, Bürgerin Kamphausen berichtet aus ihrer Erfahrung, das diesbezüglich vieles möglich, aber alles teuer sei. Sie halte es für wichtig, das Gebäude der Öffentlichkeit zu erhalten.